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505er Weltmeisterschaft 2018 in der Danziger Bucht

Vom 18.-28.07.2018 fand als Saisonhöhepunkt vor Gdynia die 505 Weltmeisterschaft statt. Gdynia liegt in der Danziger Bucht und ist die Segelhauptstadt Polens (u.a. Austragungsort der Volvo Gdynia Sailing Days).

Wie schon für die erfolgreiche Europameisterschaft 2017 vor Warnemünde (Platz 11 von 94) konnte ich für die Schwerpunktregatten 2018 Finn Böger vom Hamburger Segelclub als Vorschoter „schanghaien“, da mein Stamm-Vorschoter dieses Jahr wegen Babypause kürzer treten muss.

Die 505-Weltmeisterschaften beginnen traditionell mit der Testregatta PreWorlds Diese Testregatten dienen sowohl den Seglern als auch der Wettfahrtleitung zum Kennenlernen der Revierbedingungen (Wind, Welle, Strom etc.), zum Abgleichen des Segeltrimms sowie zum Vertrautwerden mit dem Regattaablauf, insbesondere dem Torstartverfahren. Nach drei Wettfahrten beendeten wir diese Preworlds als 20. von 95 teilnehmenden Booten bei stark böigen und drehenden Winden. Dabei stellte sich heraus, dass wir einigermaßen unter Spi mithalten können, am Wind jedoch von den Spitzenteams teilweise erschreckend deutlich abgehängt werden. Da einige Teilnehmer an keinen bzw. nicht allen Wettfahrten teilnehmen, rechneten wir für die WM bei insgesamt 127 Mannschaften mit einem Platz um die 30 (nach Streichern).

Nach einer stimmungsvollen Eröffnungszeremonie am Vorabend mit Hymnen und Flaggenparade begann der erste Wettfahrtag vielversprechend mit einem 20. und 19. Platz bei Wind um 11-13 Knoten.

An der Kreuz

An den zwei folgenden Tagen hatten wir weiterhin Sonne satt, jedoch nicht ausreichend Wind, so dass wir raus fuhren, in der Sonne brüteten und wieder reinfuhren bzw. geschleppt wurden. Unter 5 Knoten Wind wird nicht gestartet, da bei einer solch hohen Anzahl von Booten der Start eines fairen Rennens nicht mehr möglich ist.

Folglich musste der vorhergesehene Pausentag als Reservetag herhalten. Und es wurde mit drei Wettfahrten bei 9 - 13 Knoten ein langer sonniger Tag schönen Segelns. Vermutlich waren wir bereits zu sehr auf Pause eingestellt oder hatten zu viel Sonne abbekommen. Irgendwie unterliefen immer wieder dusselige Fehler, letztlich blieben noch halbwegs passable Ergebnisse (20, 38, 27).

Start am Torboot vorbei

mittig aufgereiht unter Spi

Finn und Alexander an der Luvtonne

Peilung

Vorbereitung Spisetzen

Auch für den Donnerstag wurden wieder drei Wettfahrten angesetzt, um das Programm aufzuholen. Gleich in Wettfahrt 6 war der leichte Frust vom Vortag vergessen und wir fuhren als 9. durchs Ziel. Leider konnten wir daran nicht unmittelbar anknüpfen und wir fuhren bei 9 – 11 Knoten noch einen 29. und 17. Platz. Mit herausragenden Ergebnissen stand nach acht Rennen am Donnerstag das Team Lutz Stengel und Holger Jess bereits vorzeitig als Weltmeister fest. Dahinter waren jedoch noch etliche Verschiebungen möglich. Wir rangierten zu diesem Zeitpunkt auf Platz 22 (punktgleich vor den Pfadfindern des Folgerennens, aber halbwegs stabil in den Top25).

Zieleinlauf mit Hindernissen

Der Freitag sollte dann die Entscheidung bringen.

Da für 15 Uhr die letzte Startmöglichkeit angesetzt war, zögerte die Wettfahrtleitung nicht und schickte uns pünktlich zur ersten Startmöglichkeit um 12 Uhr bei schwachen Winden aufs Wasser. Bei 6-7 Knoten wurde das 9. Rennen gestartet. Bei den ersten beiden Startversuchen kamen wir jedes Mal frei hinter dem Torboot (RSA 8905) durch, diese Starts wurden jedoch wegen Behinderungen des Pfadfinders / Torboots abgebrochen. Der letztlich durchgehende Start wurde für uns dann jedoch zur Vollkatastrophe: In Lee abgeklemmt und in Luv überfahren mussten wir wegwenden und hinter Wegerechtsbooten durchfahren, so dass wir wieder hinter der Startlinie landeten, um daraufhin wieder zu wenden, um überhaupt regulär zu starten (Wettfahrt R9, für Nachstartphase Zeitpfeil auf 12:27 einstellen und links Boot GER 9182 markieren). Ziemlich abgeschlagen wurden wir zu diesem Zeitpunkt auf Platz 82 „getrackt“ (GPS Tracker an Bord). Stets Lücken suchend fuhren wir gezwungenermaßen auf die rechte Seite des Feldes. Die Taktik ging auf und wir verbesserten uns sukzessive. Auch kurz vor der Tonne schlugen wir noch einmal über die Anlegelinie hinaus auf die rechte Seite, um den Boots- und Windstau zu vermeiden (Wettfahrt R9, für Tonnenannäherung Zeitpfeil auf 12:38 einstellen). Mit Erfolg: kurz vor der Tonne hatten wir uns bereits auf Platz 16 vorgearbeitet (Wettfahrt R9, für Tonnenanfahrt Zeitpfeil auf 12:43, M1, einstellen). Nach wiederum gutem Vorwindgang befanden wir und bereits in den TopTen (Wettfahrt R9, für Leetonnen Zeitpfeil auf 12:53, M2, einstellen). Diese Position behaupteten wir bis ins Ziel: Ein anfänglich nicht mehr für möglich gehaltener Platz 9.

Dementsprechend euphorisiert und mit einem 29. als bislang zweitschlechtestem Ergebnis und somit zweitem Streicher starteten wir ins zehnte und letzte Rennen der WM. Und es sollte noch besser kommen: Nach einem passablen Start und guter Startkreuz fanden wir uns bereits an der Luvtonne auf Platz 10 wieder. Diese Platzierung konnten wir auf dem Vorwindkurs behaupten. Nun galt es bei auffrischendem Wind die zweite Kreuz zu bestehen. Es sollte jedoch nicht nur beim „Bestehen“ bleiben, sondern wir fuhren noch auf Platz 6 nach vorn. Die folgende Spifahrt genossen wir mit bis zu 14 Knoten die Wellen runterrauschend. Da wir im weiteren Verlauf nur von den Weltmeistern 2017 überholt wurden, wir aber ein anderes Team überholten, sicherten wir uns zum Abschluss der WM mit Platz 6 unser bestes Einzelergebnis (Wettfahrt R10).

An der Kreuz, es war wunderbar.

Der Lohn des Tages: Ein Sprung im Gesamtklassement von Platz 22 auf Platz 16 als bestes Endergebnis einer solch hochrangigen Regatta.

Impressionen

Weltmeister wurden Lutz Stengel und Holger Jess (Rostock/Eckernförde) vor den Vorjahressiegern Mike Holt und Rob Woelfel aus den USA und den zurzeit noch amtierenden Deutschen Meistern Jan-Phillip Hoffmann und Felix Brockerhoff aus Düsseldorf.

Neben den tollen Segelerlebnissen werden die exzellente Organisation, die Gastfreundschaft durch die organisierenden Klubs, die Wahrnehmung durch die Stadt Gdynia (z.B. Veranstaltungsfahnen und -banner auf den Hauptachsen und am Strand), stimmungsvolle Gemeinschaftsveranstaltungen sowie das Nachtrennen für die Juniorteams mit beleuchteten Booten vor dem Strand in nachhaltiger Erinnerung bleiben.

Alexander Holzapfel, 505er GER 9182

Bilder: Robert Hajduk

Weitere Infos unter https://sap505worlds2018.com/

 

Toernbericht - NL Brabant 1

Toernbericht - NL Brabant 2

 

Congertraining - Ostern 2017

Trainingstagebuch

Teilnehmer:

Boot 1- Silvia + Helmuth Berens

Boot 2 - Marion Weller + Raimund Hess

Boot 3 - Thomas Kirchhoff + Alexa

Boot 4 - Silke + Olaf Katzorke

Boot 5 - Axel Berres + Gernot Schulz

Boot 6 - Jutta Geisler-Sanders + Klaus Sanders

Boot 7 - Gabi Müller + Kalle Zysk

 

Gummiboot: Ingvild Borreck, Harald Werth + Tom Wilke

Ja, wir hatten einen göttlichen Karfreitag, mit blauem Himmel, ohne Wolken und genug Zeit, um in aller Ruhe das Motorboot „Gummiboot“ fertig zu machen und ins Moselwasser abzulassen.

Hoppla, beinahe wäre das Wasser auch im Boot sehr viel gewesen, denn irgendjemand hatte vergessen den Dichtungsstopfen  einzudrehen. Nachdem Ingvild die Trillerpfeife an Tom, den Trainingsleiter, übergeben und dafür das Steuerrad übernommen hatte, konnte es losgehen.

Alle Congerjollen wurden vom Wasser aus unter Segeln in Augenschein genommen, Trimm und Position der Mannschaften im Boot verbessert.

Mit praktischem Beispiel ging Tom voran, indem er bei einigen Jollen leichtfüßig mit dem Steuermann mal eben das Boot wechselte und vorführte, wie man das Handling noch verbessern kann.

Danach wurden die Mannschaften angehalten, ganz schnelle Abfolgen von Wenden zu segeln, natürlich mit richtigem Seitenwechsel der Crew , der Steuermann/frau muss immer in Luv ankommen.

Sehr gut sah auch samstags das „Rückwärtssegeln“ bei den Crews aus, die jetzt merken konnten, dass es wirklich geht und auch, wozu dieses Manöver bei Regatten eingesetzt werden könnte. Wir hatten dann auch realisiert, Tom und Harald und Ingvild, das es besser ist, am Boot die „Gelbe Flagge“ mitzuführen, was ja Vorschrift bei Begleitung von Trainings und Regatten per Motorboot ist. Natürlich werden wir das in Zukunft immer beachten. Versprochen!

Freitag 14.April. 2017 – Karfreitag – Vormittag - Boot 1- Silvia + Helmuth Berens

Helmut Berens: Jahrgang 1954

Erwerb Sportbootführerschein Binnen: 2009

Segelpraxis: recht wenig, das Wenige dafür aber auf dem Conger

Teilnahme an Regatten: 2013 Augusta-Pokal, Platz 9 (Steuermann)

Silvia Berens, Jahrgang 1959

Erwerb Sportbootführerschein Binnen: 2002

Segelpraxis: recht wenig, das Wenige dafür aber auf dem Conger

Teilnahme an Regatten: 2013 Augusta-Pokal, Platz 9 (Schotte)

Ziel: Erwerb von Segeltheorie und Segelpraxis, um Sicherheit beim Segeln zu erlangen.

Teilnahme an Regatten (Unterziel: gezeitet werden)

Um mit dem Training zu beginnen, mussten zunächst die Boote aufgebaut werden. Da die Boote aus dem Winterlager kamen, bzw. die Gäste mit ihren Booten angereist waren, mussten die Masten gesetzt werden. Dies geschah folgendermaßen: Der Klappmast wurde zuerst im Mastfuß eingesteckt. Dazu wurde der Klappmast waagerecht gehalten bzw. in der Klappmaststütze gelagert. In nächsten Schritt wurden die Wantenspanner auf Deck befestigt.

Mit Hilfe eines Taus, dass an der Vorstag befestigt wurde, wird der Mast aufgestellt. Dabei steht eine Person am Bug des Bootes und zieht das Tau an, während eine zweite Person den Mast langsam hochhebt, eine dritte Person stützt den Mast am Heck des Bootes. Dabei ist es ganz wichtig, dass der Mast nicht schräg gehalten wird, um zu verhindern, dass der Mastfuß ausbricht. Wenn der Mast steht, wird die Vorstag am Fockbeschlag befestigt. Dadurch erhält der Mast seine Stabilität nach hinten. Die Wanten stabilisieren den Mast zu den Seiten. Zuletzt wird die Schraube, die den Mast im Mastfuß hält, mit einer Mutter gesichert.

Nun wurde der Baum am Mast befestigt und der Schotwagen wurde über den Baum geschoben. Jetzt konnten die Segel gesetzt werden. Zuerst das Vorsegel, bzw. die Fock, anschließend das Großsegel. Die Boote wurden ins Wasser gelassen. Erst nach dem Zuwasserlassen wurde das Ruderblatt eingehängt und das Schwert eingesetzt. Während des Aufbaus der Boote wurde bei jedem Boot geschaut, ob das Rigg richtig eingestellt war und die Segel gut getrimmt waren.

Beim Bootsaufbau ist es wichtig das Rigg richtig einzustellen und die Segel zu trimmen. Mit der Einstellung des Riggs, bzw. dem Trimm der Segel stellt man das Boot optimal auf die jeweils herrschende Windgeschwindigkeit und Windrichtung ein. Nur so erreicht man höhere Segelgeschwindigkeiten und kann mehr Höhe laufen.

Zur Begriffserklärung Rigg. Unter dem Rigg versteht man den Mast und das stehende Gut (Wanten und Staken) eines Bootes mit den Rundhölzern (Baum und Salinge) und einem Teil des laufenden Gutes, hierbei die Fallen.

Zunächst wird der Mast getrimmt. Das bedeutet darauf zu achten, dass der Mast nicht zu weit nach vorne oder hinten steht. Der Masttrimm wird von zwei Einstellungen beeinflusst. Dem Mastfall, der Neigung des Mastes nach achtern und der Wantenspannung, der Neigung des Mastes zur Seite.

Nun zum Großsegel. Das Großsegel wird hauptsächlich mit dem laufenden Gut (Schot) getrimmt. Allerdings ist bei der Conger aufgrund der 7/8 Takelung noch die Mastbiegung ausschlaggebend. Auch Baumniederholer und Unterliekstrecker nehmen Einfluss auf den Trimm.

Das Vorsegel wird hauptsächlich mit dem laufenden Gut eingestellt.

Silvia Berens

Freitag 14.April. 2017 – Karfreitag – Nachmittag - Boot 2 - Marion Weller + Raimund Hess

Team CC Augusta

Marion Weller aus Bassenheim segelt wechselnd als Vorschoter und Steuerfrau:

Ich bin über das Surfen zum Segeln gekommen, da ich dachte, dass es trockener zugeht – naja meist jedenfalls wie ich feststellen musste. Meinen SBF-Schein Segel und Motor habe ich in einem 14-tägigem Urlaub mit Prüfung erworben – aber segeln kann man damit noch nicht  J.   Über den Post-SV Koblenz, Abtl. Segeln bin ich eher zufällig gestolpert, habe 2015 reingeschnuppert und bin seit 2016 Mitglied.                                                                              Erste Regatta-Erfahrungen habe ich als Vorschoter sammeln können und später 2 Regatten als Steuerfrau im hinteren Feld  „begleitet“.

Raimund Hess aus Koblenz segelt wechselnd als Vorschoter und Steuermann

Als Wassersport-Freak bin ich u.a. Bootsführer bei der DLRG Koblenz e.V. Als solcher nahm ich 2014 in der Rolle als Segler an einem Kentertraining des Post-Sportvereins Koblenz e.V. teil, um die Sichtweise der Segler kennen zu lernen, natürlich auch um als Bootsführer im Rettungsdienst Segler besser bergen/helfen zu können. Nach dieser Teilnahme faszinierte mich Segeln so sehr, dass ich bereits 2015 in den Post-SV Koblenz,  Abt.: Segeln, eingetreten bin. Als Vorschoter bei der Steuerfrau E. Wissing konnte ich in den Jahren 2015 und 2016 Regattaerfahrung sammeln. Mit Bestehen der Segelscheinprüfung  im Januar  2016 heißt mein Slogan: …. mit vollen Segel ins Abenteuer ….

Training

Vor dem eigentlichen Training kommt noch etwas Theorie:

Tom erläutert uns den Einsatz der Fockschoten – Lee- + Luvschot.

Wir lernen: die Leeschot, also die Fockschot auf der Leeseite – die dem Wind abgewandt ist, ist gerade in Benutzung, die Luvschot ist die Gegenseite/Gegenzug. Um schneller und höher durch die Wende zu segeln, kann der Vorschoter bei mäßigem Wind die Leeschot backhalten bis das Boot abfällt und dann die Fock übergeben. Unterstützen kann der Vorschoter das Manöver, indem er schon mal die Seite wechselt und so Gewicht verlagert, so dass der Mast/ Großsegel schon mit auf die andere Seite geführt wird (in die Wende rollen). Der Steuermann wechselt seine Position erst, wenn das Boot durch die Wende gegangen ist und wieder Fahrt aufnimmt.

Praktische Übungen

Wir üben Wenden und Halsen

Die Boote sind zu Wasser gelassen, es werden 2 Bojen ausgelegt. Ingvild und Tom begleiten uns mit dem Gummi/Motorboot. Unsere Aufgabe ist es bei jedem Pfiff sofort eine Wende/Halse auszuführen. Auf lange Kommandos soll lt. Tom verzichtet werden … ein knackiges „rum“ vom Steuermann muss dem Vorschoter als Ansage reichen.

Wir können gar nicht so schnell „rum“ rufen wie gepfiffen wird: War da einer auf dem Motorboot mal Galeerentreiber?  Wir finden's lustig und lachen viel über unsere immer merkwürdigeren Manöver unter Zeitdruck. Das Ziel: immer sauber an der Windkante fahren bleibt heute Wunschdenken. Am Ende des Tages sind wir platt aber glücklich J und froh wieder etwas dazugelernt zu haben.

Ahoi !

Marion und Raimund

Samstag 15.April. 2017 – Vormittag - Boot 4 - Silke + Olaf Katzorke

Wir sind Silke und Olaf, seit April 2016 Mitglieder der Segelabteilung im Post-SV Koblenz. Olaf hat bereits Segelerfahrung als „Dickschiffsegler“, ist aber bei Jollen absoluter Anfänger. Wir beide haben im September unseren Binnenschein beim Post-SV Koblenz erworben. Nach der Prüfung bis zum Saisonende waren wir beide nicht mehr auf dem Wasser. Daher war unser Ziel vorrangig, als Vorbereitung zur neuen Saison unter Anleitung wieder aufs Wasser zu kommen. Durch den Fokus auf das Regattatraining wurde so ganz zufällig auch ein Interesse für das Regattasegeln geweckt ;o)

Heute stieß zur Unterstützung von Tom sein langjähriger Freund Harald Werth zu uns. Beide übernahmen die Aufgabe, uns wichtige Tipps zum Umgang mit der Conger zu vermitteln.

Im Fokus standen am Vormittag schnelles Wenden und Halsen. Dazu wurden uns in Theorie die nötigen Aktivitäten an Bord erläutert. Weiter beschrieb Tom die von ihm vorgesehene praktische Übung.

Wind 3-4 Bft aus SO, Böen 4-5, leicht drehend, bewölkt, am frühen Vormittag leichter Regen, später trocken

Nun wurden in Höhe unseres Steges und Moselaufwärts in Höhe des Yachtclub je eine gelbe Boje als Streckenlinie ausgelegt. Die Aufgabe bestand nun darin, moselaufwärts von der unteren zur oberen Boje 10 mal zu kreuzen, die Boje zu umrunden und dann mit raumem Wind mit 10 Halsen wieder zurück zu segeln.

Die Manöver wurden von Tom und Harald aus dem Begleitboot heraus genau beobachtet und die nötigen Korrekturen angesagt. Bei uns war das zum einen die noch nicht ausreichende Gewichtsverlagerung. Als nicht gerade leichter Steuermann muss ich mein Gewicht deutlich weiter nach vorne verlagern. Ziel muss sein, dass die Unterkante des Heckspiegels min. 2 cm aus dem Wasser kommt. Beim Umsetzen dieser Maßnahme ist deutlich wahrzunehmen, dass man an Fahrt aufnimmt. Der Grund, das Heck saugt sich nicht mehr im Wasser fest. Weiter waren meine Positionswechsel als Steuermann noch deutlich verbesserungswürdig. Nach ein paar guten Tipps von Tom und Harald aus dem Begleitboot ging es nachher tatsächlich flüssiger.

Silke als Vorschoter bekam noch die Aufgabe, die nötige Reihenfolge beim Überholen der Fock einzuhalten, erst Lee-Fock dicht holen, dann Luv-Fock dicht holen und beide Fock-Enden fühlend an der Hand zu haben. Fühlen, was das Boot sagt…

Nach einigen Durchgängen dieser Übung landeten wir Mittag wieder am Steg an. Für eine Vorführung von korrekt und schnell ausgeführten Wenden und Halsen sowie die damit verbundenen flüssigen Positionswechsel trafen wir uns alle am Steg. Harald und Tom segelten in Stegnähe diverse Manöver und gaben dazu die nötigen Anmerkungen zur Notwendigkeit.

Ein weiterer Tipp war die mit einem einfachen Gummiband aus dem Baumarkt fixierte Pinne. Damit ist es dem Steuermann möglich, nach dem Positionswechsel das Boot schnell (und allein) auf dem angesetzten Kurs zu halten, ohne zeitraubende Schlenker umzugreifen und die neue Position im Boot einzunehmen. Das Gummiband wird am Ende des festen Teils der Pinne angebracht und diagonal nach unten achtern zu einer Öse geführt (z.B. die hintere mittlere Befestigung der Streckgurte). Das ergibt einen ausreichenden Zug und bildet keine störende Stolperfalle. In Boot 5 von Axel Berres konnten wir uns diese Variante anschauen.

Wir sind froh, dass wir an diesem Training teilgenommen haben, auch wenn wir nicht die ganze Zeit dabei sein konnten. Tipps von Profis und eine schöne Atmosphäre im Verein, was will man mehr.

Samstag 15.April. 2017 – Nachmittag - Boot 3 - Thomas Kirchhoff + Alexa

Thomas und Alexa segeln seit 2012 in unregelmäßigen Abständen zusammen.

Alexa ist Gelegenheits-Vorschoterin und segelt überwiegend mit Thomas auf der Mosel. Thomas segelt seit 2011 den Conger „Windspiel“ und seit 2012 auch schon mal einen Laser.

Den Conger „Windspiel“ segelt er mit einem oder beiden Segeln auch gerne alleine. Beide haben gemeinsame Erfahrungen bei einigen Regatten auf der Mosel gesammelt, unter anderem bei der Conger Rangliste im Sommer 2015, die sich durch ungewöhnlich starken Wind auszeichnete – und für Thomas mal wieder mit dem Verlust seiner Brille endete.

Doch zurück zum Training vom April 2017:

Für Samstag-Vormittag hatte der Wetterbericht Wind versprochen. Zunächst wurde aber nur die Sonne durch Regen ersetzt, so dass wir alle unsere Regenkleidung heraussuchten und uns auf eine ungemütliche Zeit einstellten. Doch der Wettergott hatte ein Einsehen. Der Regen hörte auf und Wind setzte ein. Wie üblich dauerte es zwangsläufig eine Weile ehe alle Boote im Wasser waren. Dann starteten wir mit einer Übung in der wir erst schnelle Wenden auf dem Am-Wind Kurs fuhren, dann schnelle Halsen vor dem Wind. Bei Thomas führte das dazu, dass er irgendwann über seine Füße stolperte und/oder die Leinen verhedderte. Das Durchtauchen unter dem Baum vor der Großschot war jedenfalls gar nicht sein Ding. Alexa hatte es da einfacher, sie konnte rutschend die Bootsseite wechseln. Ganz offensichtlich fehlte den beiden noch ein wenig Routine.  ;-) Leider schlief der Wind dann wieder ein und es begann erneut zu regnen. Tom nutzte die Zeit zum Theorieunterricht. Er erarbeitete mit uns die verschiedenen Möglichkeiten, die Conger zu trimmen und ging auf Nachfrage auch auf die Bedeutung der Windfäden im Segel ein. Ein Thema, das den meisten von uns eher unbekannt war. Dann gab es erst mal wieder Mittagessen bevor wir uns wieder aufs Wasser begaben.

Sonntag 16.April. 2017 – Vormittag - Boot 5 - Axel Berres + Gernot Schulz

Wir, Axel und Gernot, sind mit der blauen ‚Felix too’ aus dem Westerwald, genauer vom SCWP Pottum am Wiesensee, der lieben Einladung an die Mosel gefolgt. Axel stammt aus Mainz, bastelt gerne an alten Congers und versucht diese zum Segeln zu reanimieren. Daher segelt er meist mit alten Congers. Conger ‚Felix too’ ist Bj 1974, lag bis März letzten Jahres 8 Jahre unbeachtet am Wiesensee in der Ecke und soll nun wieder ins 2-te Segelleben zurückkommen. Gernot hat aus dem Osten die Unda, seine Kimmschwertjolle Ixylon, mit an den Wiesensee gebracht. Er lebt mit seiner Familie in Wissen (Sieg).

Der Ostersonntag beginnt gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück. Jutta und Klaus haben frische Brötchen, Schokohäschen und bunte Eier mitgebracht. Alle blassen Eier, die sich vor dem Farbtopf retten konnten, werden von Tom mit Speck in die Pfanne gehauen. Besuch aus Hochheim erweitert die Runde: Hella und Eberhard Schiller kommen zu Besuch. Eberhard lädt herzlich zum Conger-Cup am 20./21.05.2017 an den Main ein.

Nach einem segelpolitischen Exkurs zum DSV und Taktik-Variationen verrät uns Eberhard noch das Geheimnis seiner Wiedereinstiegshilfe, einer locker um beide Heck-Klampen geführte in der achterlichen Plicht vorbereitete Leine. Der Regen lässt nach, eine Brise kommt auf - flugs die Boote ins Wasser gelassen. Tom markiert eine Startlinie mit Tonne und Fahne am Steg. Aufgabe: das Boot mit der Bugspitze exakt auf der Startlinie zum Stehen bringen und halten. Auf Handsignal der Crew antwortet Tom vom Steg mit der gepeilten Bootsentfernung von der Startlinie. Gar nicht so einfach – diese Übung und es bedarf schon einiger Zeit das richtige Gefühl zu entwickeln Der Wind dreht und schläft ein.

Das ist das Zeichen zum Mittagessen – klar. Klaus brüht Würstchen und Jutta peppt Kartoffelsalat auf. Dazu gibt's Videos und Bilder vom Training der Schweizer 470er mit Fehleranalysen und Tipps.

Welche Aufgaben hat der Steuermann, welche der Vorschoter? Ein Strich teilt die grüne Tafel, links der Steuermann: 1. das Ruder ruhig halten, denn jeder Ausschlag über 15° kostet Fahrt, 2. die Großschot belegen, dann …  bleibt dieser Teil der Tafel leer. Beim Vorschoter wird's bald eng: 1. das Boot mit seinem Gewicht in die richtige Richtung bewegen (dabei tunlichst vermeiden zu behaupten, dass man steuert), 2. das Boot aufrecht halten, 3. alle Leinen bedienen (außer der belegten Großschot), 4. bei Flaute paddeln, 5. alle Tonen, umgebende Boote, Winddreher und kritische Böen vorausahnen und bei Annäherung lautstark fernhalten … speziell bei einer Regatta trägt er aufopfernd die Schuld an allen strategischen und taktischen Fehlern.
Eigentlich ganz einfach: der Fockaffe ist der Muskel, die Augen und das Hirn des Schiffes; der Steuermann sein Stolz oder tragischer Held. Jetzt beginnen wir zu verstehen, warum Tom bei den Conger-Regatten als Vorschoter segelt.

Sonnstag 16.April. 2017 – Nachmittag - Boot 6 - Jutta Geisler-Sanders + Klaus Sanders

Klaus und Jutta sind vor 4 Jahren bei der ersten Ranglistenregatta, die wieder in Koblenz stattfand, nur unserem Sportwart, Jörg Hinkel, zuliebe mitgefahren. Zusammen mit anderen Anfängern schlagen wir uns wacker, werden Vorletzte und erhalten 11 Ranglistenpunkte. Nanu, Ranglistenpunkte was ist das denn? Also haben wir uns damit beschäftigt und gesehen, gar nicht weit weg gibt es noch mehr Conger-Regatten. Seitdem hat der Regattavirus uns gepackt und wir lieben es.

Regengebiete gehen durch…

Nach dem Mittagessen und dem Theorieteil, sind alle froh wieder aufs Wasser zu kommen. Ich bin grade mit der Klappe zum Steg gegangen, um das Boot zu verschließen, als der Regen endet und wir wieder aufs Wasser können. Ingvild verbringt den Sonntag mit Ihrer Familie und so ist Eberhard spontan bereit Tom tatkräftig zu unterstützen. Tom legt die erste Tonne genau auf Höhe des Regattastandes aus und markiert die Stelle am Steg mit einer Fahne, dies ist unsere Startlinie. Ziel der Übung ist es, die Startlinie anzufahren und das Boot aufzustoppen. Wenn der Steuermann denkt, er ist an der Startlinie, soll er die Hand heben.

Eberhard macht Zielfotos zum Beweis. Als Steuermann steht man gut 4 Meter von dieser Linie weg und zu Beginn sind wir alle zu weit entfernt. Bei den nächsten Anläufen werden wir mutiger und schwups, ist man 1 Meter über die Linie drüber. Dies ist eine sehr gute Übung, Vorschoter und Steuermann müssen sich gut absprechen, wann wird das Groß aufgedrückt und reicht dies aus, um uns Punktgenau zu stoppen und an der Linie zu halten. Wie reagiert mein Conger.

Dann ging es weiter mit 2- 3 Schlägen zur Luv-Tonne. Hier war die Aufgabe die Luv-Tonne möglichst eng zu umrunden und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie legt man die Tonne an. Ein neues Regengebiet zieht heran und die Boote werden aus dem Wasser genommen. Weiterer Besuch stellt sich ein, die Brüder Max und Jacob sind aus dem Westerwald zum Theorieabend über die Wetterkunde vorbeigekommen. Doch erst einmal freuen sich alle auf ein gemeinsames Abendessen im Yachtclub, verbunden mit einem schönen Abendspaziergang an der Mosel entlang. Die frische Luft auf dem Heimweg bläst die Köpfe frei und macht uns alle bereit für Toms Vortrag über das Wetter und dessen Auswirkungen für die Segler.

Montag 17.April. 2017 – Nachmittag - Boot 7 - Gabi Müller + Kalle Zys

Warum segeln wir heute nicht? Während der Praxis zu unserem Segelschein hieß es immer, nur Licht schadet den Segeln, Wasser nicht. Eigentlich war unsere Kleidung wasserdicht, Jacke, Segelhose, Turnschuhe und Bändsel, aber der Wind hatte noch Nachtruh. Bei einem gemütlichen Frühstück mit theoretischer Untermalung von Tom verkürzten wir uns die Wartezeit. Wir, Gabi und Kalle, segeln erst seit kurzem. Gabi, theoretisch hat sie schon alle Scheine und lässt auch gern mal eine Rakete steigen. Kalle hat mehr Praxis, lässt dafür die Theorie auch mal steuerbords, passt schon! Doch an diesem Morgen ist uns allen, als könnten wir die laue Feuchte hinter dem Kamin wärmen.

Unsere neue Conger 3411, vielen noch als „Lautinius“ bekannt, wird nach diesem Übungswochenende endlich  unsere „Morwreg“, die bretonische Arielle. Gern nahmen wir die besten Wünsche der anderen Teilnehmer zur Sekttaufe für eine Havarie-freie Fahrt entgegen. Farewell!

Viele liebe Grüße von uns

Gabi und Kalle

 

DM 2017 Conger-Klasse in Bad Zwischahn

Die Geschichte vom letzten Platz

Als wir uns im Jahr 2016 eine eigene Conger zugelegt haben, hatten wir eigentlich gar nicht vor, Regatten zu segeln. Unser Boot war als Fahrtensegler ausgelegt, was auch unseren Vorstellungen entsprach, da wir nur an „Schönwetterdümpeln“ auf der Mosel dachten.

Doch dann kam unsere Congerobfrau Jutta Geisler-Sanders ins Spiel. Dank ihrer Überzeugungskraft hatten wir dann schon mal Ostern 2017 an dem Conger-Training teilgenommen. Trotz Pleiten, Pech und Pannen mit unserem Boot, haben wir aufgrund der tollen Gemeinschaft der Conger-Leute und auch der wirklich guten Trainer, Tom Wilke und Harald Werth, viel Spaß gehabt und uns zur Regatta nach Hochheim angemeldet.

Nervös und zweifelnd, ob es eine gute Idee war, teilzunehmen, haben wir dann eine positive Erfahrung gemacht. Wir wurden ganz herzlich in die Conger-Gemeinschaft aufgenommen. Jede Menge Geduld und Hilfs-bereitschaft wurden uns entgegengebracht.

So kam es dann, dass wir noch andere Regatten gesegelt sind. Natürlich mit dem Ergebnis, immer auf dem letzten Platz zu landen. Doch dann kam der Rotsee und wir haben mit viel Glück die Qualifikation zur DM erreicht.

Wir hatten natürlich Zweifel, ob wir mit unseren Segelkenntnissen überhaupt zur DM fahren sollten. 2013 haben wir unsere erste Conger- Ranglistenregatta gesegelt. An zwei Tagen hintereinander sind wir gekentert. Danach war für uns nur noch dümpeln auf der Mosel angesagt. Doch dann kam wieder Jutta.Sie hat hat alle Register gezogen und wir sind mit einem guten Gefühl zur DM gefahren.

Wir kamen also ohne Segelerfahrung und, wie sich dann noch herausstelle, mit einen kaputten Boot in Bad Zwischahn an.

Freitag angekommen, bei noch schönem Wetter, hatten wir einen tollen Nachmittag und Abend. Die Conger-Leute reisten an, suchten ihre Übernachtungsplätze, im Wohnmobil, Zelt oder Pension. Die Begrüßung war herzlich und den Abend verbrachten wir in Feierlaune in großer Runde bei den Wohnmobilen.

Samstag und Sonntag fanden die Vorregatta statt. Zum unserem Glück hatten wir nicht zur Vorregatta gemeldet. Wie sich nach vermessen unseres Bootes herausstellte, wog unser Boot 60 Kilo mehr als mindestens vorgeschrieben. Also anstatt 210 Kilo wog unser Boot 270 Kilo. Der Grund wurde dann auch erkannt als der Bootsrumpf beim Wiegevorgang sichtbar wurde. Wir hatten ein dickes Leck im Boot.

Dank unserer Segelkameraden, die sofort mit Reparaturmaterial zur Hilfe geeilt kamen und uns bei der Reparatur auch fachmännisch begleitet haben, konnten wir das „Loch stopfen“ und sind montags beim Start der DM mit dabei gewesen.

Es war aufregend. Wir waren die Letzten, die zum Start kamen und natürlich auch die Letzten am Ende. Wir hatten es noch nicht einmal geschafft, gezeitet zu werden. Der Dienstag lief schon besser. Wir konnten am Feld bleiben und sind in die Zeitwertung gekommen. Wir waren so stolz.

Der Mittwoch, Fiasko. Heftiges Wetter, wir kamen noch nicht einmal aus der Box raus. Der Tag war gelaufen. Dann kam der Donnerstag. Wieder heftiges Wetter. Wir haben uns tapfer geschlagen. Kurz vor dem Ziel lagen sogar zwei Boote hinter uns. Doch dann leider, Boe, wir kämpften damit nicht zu kentern, haben die Orientierung verloren und zack, waren die beiden anderen Boote vor uns im Ziel. Doch wir waren wieder stolz, wir waren nicht gekentert.

Der Freitag brachte so schlechtes Wetter, dass wir gar nicht raus waren. Wie sich herausstellte war es auch besser so. Von den erfahrenen Segeln waren 7 Boote gekentert.

Auch wenn das Wetter schlecht war, die DM war super. Wie zu erwarten, haben wir natürlich den letzten Platz gemacht. Aber unserer Freude war groß. Selbst der Wettfahrleiter meinte, er habe noch keinen erlebt, der sich über den letzten Platz so gefreut hat. Für uns war nur wichtig, dabei gewesen zu sein. Wir konnten so viel lernen, haben ganz liebe Menschen kennengelernt und viel gefeiert. Jeden Abend wurde ein Event organisiert und in dieser guten Gemeinschaft, es waren einfach viele Highlights.

Ich hoffe, dass unser Bericht auch andere Conger-Segler mit wenig Erfahrung zum Segeln von Regatten ermutigen kann. Es lohnt sich.

Silvia und Helmut Berens

 

Kieler Woche vom 17.-20.06.2017

Es sollte ein ambitioniertes Jahr werden: Kauf eines neuen 505ers, Ostertraining am Mittelmeer und die Euro im eigenen Land. Doch dies wäre ja zu einfach gewesen. Noch auf der Fahrt zum Mittelmeer eröffnete mir mein Stamm-Vorschoter Stefan Worm, dass er sich Anfang Mai einer Meniskus-Operation unterziehen müsse und mindestens für die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) am Wannsee und den Eurocup am Gardasee ausfallen würde. So trainierten wir bei fantastischen Bedingungen in Saint Raphael zwar gemeinsam, doch die Umsetzung des Gelernten kann zurzeit nur von mir allein abgerufen werden.

Das gelang mir mit dem 18. Platz von 35 Booten bei der IDM relativ schlecht (häufig schlechte Starts, verbesserungsfähiges Bootsgefühl des Vorschoters), wurde jedoch in der Folgezeit besser: Platz 15 von 44 am Gardasee (bei fast gänzlich versammelter Weltelite) und Platz 5 von 21 am Ammersee (bedauerlicherweise mit einer Disqualifikation wegen Frühstarts sowie windbedingtem Abbruch der letzten Wettfahrt an führender Position).

Fotos: Elena Giolai

Da sich der Heilungsprozess bei Stefan jedoch weiter hinauszögerte, musste ich für die Kieler Woche erneut auf Ersatz zurückgreifen. Relativ schnell fündig wurde ich mit einem der besten deutschen 505er-Vorschoter, Martin Schöler, gegen den ich bereits im Opti, Laser und 420er um die Wette gesegelt bin. Leider stand dieser arbeitsbedingt nur am Wochenende zur Verfügung, so dass ich per Mailing-Liste noch einen 14-Footer-Steuermann aus Kiel vermittelt bekam.

Erwartungsfroh kam ich am frühen Freitagabend in Schilksee an, baute das Boot auf und fand fußläufige Parkplätze für Auto und Hänger. Bezüglich des Autos hatte ich mich jedoch zu früh gefreut. Als Martin und ich noch einige Sachen aus dem Auto holen wollten, wurde die leicht geöffnete Fahrertür von einem dänischen Formula 18 Team übersehen, das mit seinem überbreitem Hänger beim Vorbeifahren so unglücklich die Tür erwischte, dass diese nach vorne gebogen wurde und sich nicht mehr schließen ließ. Statt verdientem Feierabendbier folgten nun Anrufe bei Versicherungen, Abschleppdienst und komplettes Entladen des Fahrzeugs. Frustriert ging es ins Bett.

Der Samstag begann mit elendiger Telefoniererei zur Organisation desTransports von mir, Bootsanhänger und Unfallfahrzeug von Kiel nach Berlin.
Immerhin schien das Wetter uns versöhnen zu wollen mit 3-4 Bft. und leichter Bewölkung. Wir gingen sehr früh als erste Mannschaft aufs Wasser, um noch einige Manöver zu trainieren. Bedauerlicherweise war die Abstimmung bei einer Halse so miserabel, dass ich mich zu früh im Boot befand - genau auf Höhe des Großbaums -, als Martin den Spibaum auslöste und dieser mich mit voller Wucht im Gesicht traf und das Nasenbein brach.

Da die Nasenatmung - von der starken Blutung abgesehen - noch funktionierte und Anzeichen einer Gehirnerschütterung ausblieben, entschied ich nach kurzer Überlegung weiter zu segeln, da ich befürchtete, die Frustration über die bislang eingetretenen Schäden und den verpassten Segeltag bei Traumbedingungen nicht hätte ertragen zu können. Zudem waren wir für die erste Wettfahrt bei dem Torstartverfahren als Pfadfinder vorgesehen und diese Parade abzunehmen ist immer ein schönes Gefühl.

Foto: Christine Gambihler

So fuhren wir mit blutgetränktem Gesichts- und Heckbereich weiter und ernteten beim Start einige entgeisterte Blicke. Dies wirkte wohl so gut, dass wir an der Luvtonne als Erste ankamen und die Führung über die Runden fast bis ins Ziel behaupten konnten. Einzig ein kleiner Rechtsdreher auf der Zielkreuz sorgte dafür, dass das dänische Ausnahmeteam Bojsen-Möller (Olympiasieger und Rekord-Kieler Woche-Sieger) noch an uns vorbeiziehen konnte. Den zweiten Start vermasselten wir nach einem verpatzten Manöver mit vollgelaufenem Schiff völlig, konnten aber mit guter Taktik noch auf Platz 8 vorfahren. Die dritte Startkreuz gewannen wir erneut, mussten aber bei nachlassendem Wind noch vier Boote ziehen lassen. Plätze 2, 8 und 5 waren der Ausgleich für die vorherige Unbill.

Am zweiten Tag machte sich leider bei leichten Winden und Kabbelwelle das hohe Crewgewicht bemerkbar und wir fanden nie das geeignete Gegenmittel. Hinzu gesellten sich noch einige taktische Fehler: Plätze 19, 13 und 14.

Der dritte Tag begann mit Startverschiebung, so dass ich dem neuen Vorschoter Eric Petersen in Ruhe das Boot erklären konnte. Mit einsetzender Thermik ging es dann aufs Wasser. Die erste Startkreuz war noch recht passabel, jedoch fehlte Eric, der normalerweise nur Gennaker fährt, das Gefühl zum Einstellen eines Spinnakers, insbesondere bei Leichtwind. Auch die entsprechenden Spi-Manöver waren noch arg verbesserungsfähig (was bei Leichtwind für alle Teams sehr schwer ist). Dies wurde in der Folgezeit dadurch ausgeglichen, dass wir uns von der Masse fernhielten, nicht den optimalen Weg wählten und etwas spitzer unter Spi fuhren. Aufgewogen wurde dies ferner durch das geringere Gewicht von Eric und seiner dynamischen Art. Zusammen mit guten taktischen Entscheidungen zur Seiten- und Gatewahl und sehr guter Höhe und Geschwindigkeit auf den Amwindkursen ersegelten wir die Plätze 13, 3 und 7.

Der abschließende Tag begann mit guten 4 Bft., so dass wir vorab erstmal einige Spikurse und Spi-Trapezhalsen trainierten. Nach verpatztem ersten Start kämpften wir uns unter Spi wieder auf einen Platz um die 15 nach vorne. Bedauerlicherweise blieb Eric in einer Wende im alten Luv hängen (Die Macht der Gewohnheit von Skiff-Seglern, sich vor der Wende aufs Deck zu stellen, war leider in der kurzen Zeit nicht aus ihm herauszukriegen.), so dass wir zwar nicht kenterten, aber vollliefen und einige Zeit im Wind standen. Platz 25.

Der letzte Start verlief gut. Allerdings waren wir bei nachlassendem Wind und bleibender Welle aufgrund verbesserungsfähigem Segel- und Gewichtstrimm nicht sonderlich schnell  und taktisch fiel mir auch nicht mehr viel ein: Platz 19.

Foto: Christine Gambihler

Die Kieler Woche gewannen die Gebrüder Bojsen-Möller, vor den Franzosen Boite/Mathieu und den Mehrfach-Weltmeistern Hunger/Kleiner. In Anbetracht der Konkurrenz und der ergänzenden widrigen Umstände war unser Platz 10 von 38 Booten sehr zufriedenstellend.

Gemeinsam mit Vorschoter Finn Böger konnte dieses Ergebnis zwei Wochen später sogar noch getoppt werden mit einem sensationell guten 11. Platz von 92 Booten bei der Europameisterschaft in Warnemünde.

Alexander Holzapfel

505er GER 9182

Ein besonderer Dank gilt Christine Gambihler und Elena Giolai für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung ihrer Fotos vom Ammersee bzw. Gardasee.

 
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